Hast du auch eine Taschen-Heike?

Anfang März 2021

Ich bin ja immer für Hilfsmittel in allen Lebenslagen ;). Sie erinnern und begleiten uns. Heute geht es um die „Taschen-Heike“. Meiner Ansicht nach, braucht jeder Mensch eine. Was ist deine „Taschen-Heike“?

Vanessa Michels

Mir liegt da was am Herzen und das muss raus.

Und ich erzähle dir jetzt auch warum. Heute habe ich keinen „guten Tag“. Es mag mir nicht gelingen, die Laune oben zu halten, auch wenn die Sonne lacht und, rein objektiv betrachtet, ist nichts anders als am Tag vorher. Die Welt befindet sich noch immer in den Fängen von Corona, in Deutschland gibt es nach dem zweiten Lockdown die ersten Lockerungen. Eigentlich ein Grund zur Freude.

Doch überkommt mich heute so ein Gefühl von Sackgasse. Es ist selten geworden, dass ich mich so fühle, denn immer finde ich Wege, Lösungen und greife meinen roten Faden wieder auf, den ich aufgrund meines chaotischen Anteils öfter mal verliere.

Da ich mich im intuitiven Handeln geübt habe, gelingt es mir schneller und besser, diesen wieder aufzunehmen. Intuition ist, meiner Definition nach, kein rein gefühlsbetontes Handeln. Es ist ein Handeln im Ausgleich von Herz und Geist, wohlmöglich sogar Körper, Geist und Seele. Je nachdem welche Entscheidung ansteht, sind die Anteile unterschiedlich gewichtig, manchmal auch ganz und gar ausgeglichen.  Ich habe dazu ausführlich in meinem eBook geschrieben.

Es gibt Tage, da meldet sich so eine innere Stimme und ruft „STOPP!“

Wir befinden uns in verschiedenen Erlebniswelten. Die Innenwelt, die durch unsere körperliche Hülle von der Außenwelt „abgetrennt“ ist. Im Alltag versuchen wir den Anforderungen der Außenwelt gerecht zu werden und haben eine Liste an Aufgaben zu bewältigen. Wie wir diese erfüllen und in Wichtigkeit einteilen, das obliegt uns und jeder Mensch geht dabei anders vor. Die Innenwelt bleibt oft auf der Strecke, auch wenn sie sich stets meldet.

Die C-Zeit habe ich bisher sehr intensiv dafür genutzt, alles was ich kann und je gelernt habe,  vor mir auszubreiten und neu zu sortieren. Erstmalig war ich wirklich froh, dass ich schon in vielen verschiedenen Bereichen tätig war und doch auch angebunden an meinen erlernten Beruf. Mir wurde klar, wie flexibel ich nun auf die heutige Zeit reagieren kann. Ich bin davon überzeugt, dass ich immer etwas finde, was mir Freude bereitet und womit ich meinen Lebensunterhalt verdienen kann.

Diese Zuversicht und Stärke kommen aus meinem Inneren. Dort habe ich ebenfalls massiv aufgeräumt.  Davon schreibe ich auch im eBook. 😉

Dennoch ist nicht jeder Tag Friede, Freude, Eierkuchen. Nichts bleibt gleich, alles ist in Bewegung und in irgendwelchen verstaubten Ritzen hocken ja trotzdem noch ein paar Antreiber, die mir zwischendurch mal wieder alte Überzeugungen an den Kopf knallen. Sie werden auch immer bleiben. Wir können sie nicht „loslassen“, wir können sie integrieren. Ihnen zuhören. Sie wahrnehmen und akzeptieren.

Früher gestaltete sich es so, dass ich an solchen Tagen schleichend, aber zunehmend ins „Drama“ eingestiegen bin. Ich konnte mir das, was eh schon doof war so richtig, richtig, RICHTIG scheiße reden. Nachher tat ich mir selbst schon leid oder war stinke wütend, auf mich, jemand anderen, die Welt, ach all dieses Elend – ihr wisst schon. Was hat es gebracht? Kurzum: Nix!

Keine Lösung, keine Besserung, ja einfach völlig unnötig und sinnbefreit. DAS wollte ich aber auf gar keinen Fall hören, stur wie ich bin, schmoll ich im Antlitz der eigens erstellten Opferhaltung vor mich hin. Furchtbar, wenn ich daran zurückdenke.

Dann kam eine Phase in der ich wütend und angreifend um mich biss, wie ein Löwe, der in die Ecke getrieben wurde. Dort saß ich mit funkelnden Augen, jederzeit bereit zum Angriff und dieser war direkt, geradeheraus, unmissverständlich, destruktiv, da blieb nix über. Opfer waren jetzt die anderen. Selber Schuld.

Tja nun, was hats gebracht? Nix! Außer Streit, Verdruss und Frust.

Weitere Entwicklungen später und mit dem Wissen um „das innere Kind“ kamen Phasen, da gelang es mir zunehmend besser, „bei mir“ zu bleiben. Sprich:

Etwas reißt mich gerade vom Hocker in ein Tief – was tun? Wahrnehmen, wo sitzt dieses Gefühl, was passiert dabei im Körper? Doch das Gehirn hat nicht umsonst Mechanismen entwickelt, diesem Zustand auszuweichen, deshalb war das eine neue Situation.

Die bis dato vielen Übungen, letztendlich auch der Wille und die bewusste Entscheidung aus diesen Mustern auszubrechen hat mir ermöglicht, in einer solchen Situation fortan „Stopp!“ zu mir selbst zu sagen.

Den Bruchteil der Sekunde habe ich zum Durchatmen und Innehalten genutzt. Schnell einmal vor dem inneren Auge ausbreiten, was hier gerade los ist…..aber was damit tun?

Ein Mittel war umgehend Kontakt zu Heike aufzunehmen, ihr die Situation zu schildern und diese einmal mit ihr gemeinsam zu durchleuchten, also zu „Entdramatisieren“. Hierbei ging es dann aber wirklich um tiefgreifendere Themen, die mich aus der Fassung brachten.

Ziel ist natürlich, Wege zu finden, selbst damit zurecht zu kommen OHNE Verdrängung, OHNE Angriff, OHNE Opferhaltung. Eigentlich ist das alles gar nicht dramatisch. Sachlich und nüchtern betrachtet, hat jeder Mensch mal schlechte Tage. Gar nix Schlimmes.

Problematisch wird es nur, wenn wir uns daran hochziehen und alles dramatisieren, also schlimmer machen, als es wirklich ist oder uns in eine emotionale Abhängigkeit begeben. Das geschieht z.B. dann, wenn wir für unseren Selbstwert die bestimmte Reaktion eines auserwählten Gegenübers haben möchten. Diese Reaktion soll uns darin bestätigen, dass wir etwas wert sind. Bekommen wir sie nicht freiwillig, wird sie – unbewusst und subtil – versucht zu erzeugen, indem wir so agieren, dass der andere Mensch in irgendeiner Weise reagieren muss. Das ist im Ergebnis dann nicht nur Selbstbetrug, sondern letztendlich auch Selbsterniedrigung. Wer kann den Mangel an Selbstwert auffüllen? Kann wirklich ein anderer Mensch „gute Gefühle“ verschaffen? Was passiert, wenn derjenige dann so reagiert, wie man es gerne möchte? Es ist die kurzzeitige Befriedigung, wie bei einer Droge, wie wenn ein Heroinabhängiger sich den Schuss setzt. Für ein paar Minuten ist er berauscht und glückselig, ehe die Wirkung nachlässt und ihn das Hier und Jetzt wieder volle Breitseite einholt.

Also kann das, m.E. nicht die erstrebenswerte Lösung sein. Sie macht abhängig und gibt doch nicht, was der Körper und die Psyche brauchen. Es liegt an einem selbst, herauszufinden, welches psychisches Bedürfnis zugrunde liegt und dies sich selbst zu erfüllen. Erst dann können wir bewusste, respektvolle, echte Beziehungen führen. Egal ob zu einem Menschen oder zu einem Tier. Hier könnte ich gleich ein halbes Buch zur Psychologie der Mensch-Tier-Beziehungen folgen lassen 😉

Kommen wir nun zur Taschen-Heike 😉

Ich bin ja immer für Hilfsmittel in allen Lebenslagen 😉 , denn es sind Mittel, die uns erinnern, hinweisen, begleiten, bis wir allein weiter gehen können. Da ich keinesfalls immer darauf zurückgreifen möchte, dass jemand Zeit hat um sich „ein Ohr abkauen“ zu lassen, fiel mir irgendwann mal ein „Ich brauche eine Taschen-Heike!“, also eine „Heike to go“, die immer Zeit hat, wenn ich sie brauche 😉. Sinnbildlich steht sie als „Erinnerung, sich um das eigene, innere Kind zu kümmern.“. Denn es ist genau diese innere Stimme, die verzweifelt um Aufmerksamkeit und Liebe ringt und dich, mich, uns dazu antreibt, diese  Liebe – vergebens – im Außen zu suchen, um sie irgendwie in uns rein zu lotsen. Diese fundamentale Liebe entsteht von alleine, wenn wir uns liebevoll uns selbst zuwenden. Zugegebenermaßen liegt sie etwas verstaubt unter einigen Brocken, die wir erstmal wegräumen müssen.

Dieser Ring, der mich quasi selbst umarmt, ist meine Taschen-Heike, meine Erinnerung daran, dass ich dank all der lieben Menschen und der Bereitschaft „hinzusehen“, mir selbst zu helfen vermag. Z.B. indem ich mich selbst „umarme“. Danke :*

Wir haben alle ein inneres, meist verletztes, Kind und auch unsere geborenen Kinder werden ein solches in sich tragen, wenn sie groß sind.

Aus der C-Zeit habe ich gelernt, dass es Zeit für Vergebung ist. Schluss mit der Selbstgeißelung. Das Beste was wir tun können ist, gut zu uns selbst zu sein, indem wir mutig unseren Bedürfnissen und Verletzungen ins Auge blicken, indem wir erkennen, dass auch die „inneren Antreiber“ nur Anteile sind, die Aufmerksamkeit brauchen. Dann können wir das eigentliche Bedürfnis dahinter entdecken und selbst erfüllen.

Es kann einhergehen mit einem Transformationsprozess, der da in Gang kommt und unser Leben nachhaltig verändert. Weil du jetzt die beste Version von dir selbst wirst und sich die Gestaltung deiner Beziehungen verändern wird. Wie ich jedoch aktuell gelernt habe (17.03.2021) hat jeder Mensch auch das Recht „unglücklich“ zu sein. Also da zu bleiben, wo er ist, selbst wenn er sich nicht wohl fühlt. Egal wie „schade“ es aus meiner Sicht sein mag. 🙂

Was ist deine Taschen-Heike?

Interessierst du dich für die Thematik? Dann schau doch mal in mein E-Book „Valorise – vom ersten mutigen Schritt zu sich selbst“

Liebe Grüße

Vanessa, Anno Corona die Zweite, Anfang März 2021

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